16.09.2016

Wie viel Technologisierung braucht es wirklich?

In der Supermarket Infrastruktur hat die gewerbliche Kälte eine zentrale Funktion: sie erzeugt Kälteenergie für Kühl- und Tiefkühlmöbel und versorgt angrenzende Systeme mit Abwärmeenergie.

Beitrag von Matthias Brügger

In der Supermarket Infrastruktur hat die gewerbliche Kälte eine zentrale Funktion: sie erzeugt Kälteenergie für Kühl- und Tiefkühlmöbel und versorgt angrenzende Systeme mit Abwärmeenergie. Die Kälteanlage ist ein entscheidender Faktor im Energiekonzept eines Gesamtsystemes und somit auch für die Energieeffizienz. Darum ist es von zentraler Bedeutung, dass die Kälteanlagen optimal konzipiert werden. In erster Linie muss die Kälteanlage die Funktion störungsfrei erfüllen (Kühlen!), dies bei möglichst tiefen Life-Cycle Kosten und auch möglichst ökologisch. Um diese Anforderungen zu erfüllen, muss ein optimaler Technologisierungsgrad umgesetzt werden. Die Technik soll so einfach wie möglich oder so komplex wie nötig sein.

In der Praxis entfernt man sich oft von diesem Grundsatz. Je nach Stärke der beteiligten Interessenvertreter wird das eine oder andere Kriterium in den Vordergrund gestellt, was wiederum Kompromisse von den anderen Seiten erfordert.

  • Energieverantwortliche wollen möglichst gute Benchmarks, die Funktion ist nebensächlich.
  • Ingenieure wollen sich mit Innovationen profilieren, die Kosten spielen keine Rolle.
  • Die Servicetechniker wollen keine Störungen haben, die Energiezahlen sind sekundär.
  • Die Projektverantwortlichen wollen möglichst geringe Kosten und eine schnelle Umsetzung, der Rest ist egal.
  • Die Flächenmanager wollen möglichst kompakte Lösungen, die Servicefreundlichkeit ist kein Thema.
  • Die Layoutplaner wollen die Technik nicht sehen und nicht hören, sie muss einfach funktionieren.

In diesem Spannungsfeld ist es unsere Aufgabe als Fachplaner, den optimalen Kompromiss für den Kunden zu finden.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass nur einfache Lösungen nachhaltig gute Resultate bringen. Jeder Komponent, der weggelassen werden kann, ist ein guter Komponent: er braucht keine Investition, keine Energie, kein Unterhalt, kein Platz ... Komplexe Systeme überfordern oft die Beteiligten: Lösungen, die in der Theorie überzeugen, können in der Praxis nicht entsprechend umgesetzt werden und entfalten in der Folge das Potential nicht. Das Gegenteil ist der Fall: Systeme, die nicht beherrscht werden, funktionieren schlechter als einfachere Lösungen, die optimal betrieben werden. Zudem erzielen technische Zusatzmassnahmen ihre Wirkung oft nur bei speziellen Bedingungen, die unter Umständen nicht genügend oft vorkommen, um einen technischen Mehraufwand zu treiben. Eine Supermarkt Kälteanlage muss kein Maserati sein, ein Skoda eignet sich besser! Zusammenfassend mein Erkenntnis aus langjähriger Erfahrung: Einfach ist besser!